70 Jahre ist es her, dass der Zweite Weltkrieg unter der Führung von Adolf Hitler begonnen wurde. Am 1.September 1939 drang die Wehrmacht nach Polen und bezwang die polnische Armee in nur kürzester Zeit. Dieser Blitzkrieg wurde in der folgenden Zeit weitergeführt und Staat für Staat fiel in die Hand des deutschen Reiches. 1941 brach Hitler den Nichtangriffspakt mit Russland und erklärte darauf auch noch den USA den Krieg. Selbst Japan und viele andere Länder wurden in den Weltkrieg mit hineingezogen. In diesen furchtbaren Jahren kamen über 55 Millionen Menschen ums Leben.
Auch Bewohner der Baleareninsel Mallorca waren betroffen. Glücklicherweise ging hier zwar nie eine Bombe nieder oder wurde ein Schuss abgefeuert, aber die aus Deutschland stammenden Aussiedler wurden von der Wehrmacht eingezogen, jedoch erst, als sich die Kriegslage für Deutschland verschlechterte und zu viele Gefallene zu beklagen waren. Um neue Rekruten zu bekommen wurden nun auch Deutsche im Ausland dazu aufgefordert, den Kriegsdienst anzutreten. Diese gingen teils freiwillig in die Armee, andere aber wurden unter Androhung von Gewaltanwendung zum Beitritt gezwungen.
Ein sehr bewegendes Schicksal hatte der damals 32-jährige Alber Hauf aus Sóller. Gegen seinen Willen wurde er eingezogen, gar mit dem Geheimdienst abgeholt und als Artillerist in den Russlandfeldzug geschickt. Die deutsche Armee war schon auf dem Rückzug, die Geschütze wurden schon längst nur noch von Pferden gezogen. Pferde waren zu der Zeit das Wichtigste für die Artilleristen, denn falls die Kanone der Einheit liegenblieb, wurden die Männer in die Infanterie überwiesen; und die Infanterie war der letzte Frontabschnitt auf dem Rückzug direkt am Feind. Daher wurden Pferde sogar in den entlegensten Winkel der Front gesucht, damit der Rückzug der Geschütze und der Männer sicher gestaltet werden konnte.
Die Frau von Hauf blieb mit schwanger und mit einem Kleinkind allein auf Mallorca zurück und musste ihren Lebensunterhalt fortan mit der Näherei bestreiten. Der deutsche Konsul auf der Insel, Hans Dede, verweigerte der jungen Frau jedoch den Sold ihres Mannes. Trotz vieler verzweifelter Gesuche und Beschwerden diesbezüglich bekam die Frau kein Geld und musste sich daher noch mehr mit der Näherei abmühen. Dies ging sogar so weit, dass sie schließlich Aufträge aus Barcelona annehmen musste, um über die Runden zu kommen. Als ein Nonnen-Orden bei ihr einen Auftrag einreicht, stellt sie fest, dass die weiße Tracht der Nonnen einen roten Kragenbesatz hat und entsinnt sich darauf, eines ihrer Hochzeitsgeschenke dafür zu vernähen. Dieses Geschenk war nichts anderes als eine Hakenkreuzfahne, diese hatte eine gute Qualität und Farbechtheit. Somit trugen die Nonnen fortan rote Kragen, aus der Fahne gefertigt.
Albert Hauf hingegen saß in der Zwischenzeit in russischer Kriegsgefangenschaft, wo er als Heizer in einem Kraftwerk arbeitete. Er hatte Glück und konnte mit Hilfe des Roten Kreuzes endlich nach langer Zeit ein Lebenszeichen zu seiner Frau schicken. 1949 wurde er dann schließlich entlassen und kehrte zunächst nach Deutschland zurück. Seine Bemühungen um ein Auslandsvisum für Mallorca gestalteten sich als sehr schwierig, da das franquistische Spanien als politisch-inakzeptabler Pariastaat galt. Die zuständigen US Behörden stellten ihm keine Reisedokumente aus. Seine Frau ließ auch keine Möglichkeit aus und schrieb einen Brief an die Gattin des amtierenden US-Präsidenten Truman. Diese war so bewegt von der Geschichte, dass sie die Ausstellung der nötigen Papiere veranlasste.
Dann endlich, nach acht langen Jahren voller Ungewissheit kann Josefina Hauf im Jahre 1950 ihren geliebten Ehemann im Hafen Palmas Wiedersehen. Auch der inzwischen 7jährige Sohn Haufs ist mit dabei und kann seinen Vater endlich in die Arme schließen.
-Quelle: Mallorca Magazin, Ausgabe vom 27.August 2009 (www.mallorcamagazin.net)-